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Sucht kommt von Siechen

"Gesundheit ist die Basis von Leistungsfähigkeit. Betriebliche Gesundheitsprävention ohne Suchtprävention ist nach meiner Meinung unvollständig."
Ein Gespräch mit Klaus Eichhorst aus Köln. Er berät den Gesamt- und Konzernbetriebsrats des Chemiekonzerns Lanxess und widmet sich seit Jahren dem Thema Sucht und Suchtprävention und arbeitet als Coach.

Klaus Eichhorst
Klaus Eichhorst
Warum sind Süchte gefährlich?
Süchte programmieren den menschlichen Organismus um. Die Nr. 1 im Leben wird das Beschaffen und der Konsum des Suchtmittels.

Also zum Beispiel: ohne Alkohol geht es nicht mehr?

Genau, Alkoholismus ist dabei vergleichsweise auffällig, wird meist von anderen bemerkt. Der Betroffenen riecht nach Alkohol, hat oft einen unsicheren Gang und im Beruf kommt es zu Fehlzeiten. Es gibt zunehmend Probleme bei den drei F: Familie, Firma, Führerschein.

Andere Drogen sind weniger auffällig?

Rauchen wird immer noch vielfach als „blödes Laster“ gesehen, ist aber eine sehr schwere Sucht mit gigantischen gesundheitlichen Folgen. Die unmittelbaren und mittelbaren Kosten dieser Sucht sind gewaltig. Das Rauchen kann man sehen und riechen, Medikamentensucht ist so gut wie unsichtbar, hat aber auch sehr fatale Folgen.

Wie kann die Umgebung Suchterkrankungen erkennen?

Wir identifizieren Süchte durch Bilder. Der Alki, der besoffen auf einer Parkbank liegt, oder der Junkie, der sich einen Schuss setzt, das sind im allgemeinen Verständnis Süchtige. Die sehr leistungsfähige, wirklich nette Kollegin, die Tabletten zur Stimmungsaufhellung braucht und 20 Tassen Kaffee am Tag trinkt – wer würde sagen, die ist genau so süchtig nach ihren Suchtmitteln wie der Junkie nach Heroin?

Das heißt, wir brauchen ein anderes Verständnis von Süchten?

Wir lehnen Süchte ab, weil wir abstoßende Bilder damit verbinden. Der unglaublich sympathische Nachbar, der immer gute Stimmung verbreitet und ein starker Raucher ist, der ist im normalen Verständnis kein Süchtiger.

Warum sollten Süchte häufiger Thema werden?

Sucht – das Wort stammt von „siechen“. Siechtum bedeutet: Es wird immer schlechter. Normale Krankheiten bilden „Dellen“ in der Kurve der Vitalität. Es gibt einen Abschwung, dann kommt die Genesung, dann geht es wieder normal weiter. Siechtum bedeutet ständige Verschlechterung. Erst die Abstinenz vom Suchtmittel kehrt den Prozess um.

Wie verbreitet sind Süchte und Arbeitswelt?

Je nach Definition muss man damit rechnen, dass zwischen fünf bis zehn Prozent der Beschäftigten akut an Suchterkrankungen leiden. Dazu gibt es sehr gut entwickelte Interventionsmodelle, die zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat abgestimmt werden.

Vorbeugen ist besser als heilen, gilt das auch für Süchte?

Gesundheit ist die Basis von Leistungsfähigkeit. Betriebliche Gesundheitsprävention ohne Suchtprävention ist nach meiner Meinung unvollständig. Prävention bedeutet zuerst: Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung und Angebote für „es geht auch ohne Suchtmittel“. Wir wissen mittlerweile recht viel über Süchte, auch über so genannte nicht-stoffliche Süchte, also Verhaltenssüchte (die genau so zerstörerisch sein können wie stoffgebundene Süchte). Arbeitgeber und Betriebs- oder Personalräte haben da noch eine Menge zu tun.